AIM tritt der UN-Taskforce zur Sozial- und Solidarwirtschaft als Beobachter bei
AIM hat einen Beitrag zum Bericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen über die Sozial- und Solidarwirtschaft (SSW) vorgelegt. Darin hebt AIM die zentrale Rolle von Krankenkassen und Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit bei der Verwirklichung einer gerechten Gesundheitsversorgung, der sozialen Absicherung und einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung hervor.
In mehreren Ländern wurden bereits politische und rechtliche Rahmenbedingungen zur Förderung der Sozial- und Solidarwirtschaft geschaffen. Dazu gehören regionale Strategien in Belgien, die statistische Erfassung des Sektors in Portugal sowie die institutionelle Einbindung von Genossenschaften und Gegenseitigkeitsgesellschaften in Argentinien. Dennoch fehlt es häufig an ausreichender politischer Anerkennung, geeigneten Finanzierungsinstrumenten und einer verbindlichen Beteiligung der SSW-Akteure an politischen Entscheidungsprozessen.
Als weltweites Netzwerk von Krankenkassen und Gegenseitigkeitsgesellschaften fördert AIM den Austausch von Erfahrungen und bewährten Verfahren zwischen Europa, Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Die Organisation setzt sich unter anderem für einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheits- und Pflegeleistungen, faire Arzneimittelpreise, Prävention sowie eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung ein.
Besonders in Afrika können Gegenseitigkeitsgesellschaften entscheidend zur Verwirklichung einer universellen Gesundheitsversorgung beitragen. Dafür braucht es geeignete gesetzliche Rahmenbedingungen, eine stärkere politische Anerkennung, öffentliche Finanzierungsmechanismen und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Sozialpartnern und Organisationen der Sozialwirtschaft. Auch in Lateinamerika leisten Gegenseitigkeitsgesellschaften einen wichtigen Beitrag, um Lücken in unterfinanzierten Gesundheitssystemen zu schließen und den Zugang zu Versorgung und Arzneimitteln zu sichern.
AIM empfiehlt insbesondere:
- Gegenseitigkeitsgesellschaften verbindlich in die Gestaltung und Umsetzung relevanter politischer Maßnahmen einzubeziehen;
- langfristige, auf die Besonderheiten der Sozialwirtschaft zugeschnittene Finanzierungsinstrumente zu schaffen;
- öffentlich-soziale Partnerschaften im Gesundheits- und Sozialbereich auszubauen;
- sozial verantwortliche öffentliche Auftragsvergabe stärker zu nutzen;
- vergleichbare Daten und statistische Satellitenkonten für die Sozial- und Solidarwirtschaft einzuführen;
- Gegenseitigkeitsgesellschaften als zentrale Akteure für universelle Gesundheitsversorgung und widerstandsfähige Gesundheitssysteme anzuerkennen.
AIM begrüßt die Arbeit der UN-Taskforce für Sozial- und Solidarwirtschaft und fordert, die Rolle der SSW – einschließlich der Gegenseitigkeitsgesellschaften – stärker in die Entwicklungsstrategien und Kooperationsrahmen der Vereinten Nationen zu integrieren. Angesichts wachsender sozialer Ungleichheiten, geopolitischer Spannungen und der Folgen des Klimawandels sind gemeinwohlorientierte Organisationen wichtiger denn je, um eine bezahlbare, verfügbare und gerechte Gesundheits- und Sozialversorgung zu gewährleisten.