ECOD-MUT startet, um die Sichtbarkeit von Gegenseitigkeitsgesellschaften in Europa zu stärken
AIM freut sich über den Start von ECOD-MUT – Exploring Collective Ownership to Deliver Benefits: The Contribution of Mutual Societies. Das aus dem Europäischen Sozialfonds Plus finanzierte dreijährige Projekt begann am 1. Mai 2026. Es untersucht, wie Gegenseitigkeitsgesellschaften in Europa zu Gesundheit, sozialer Inklusion, Solidarität und kollektivem Wohlergehen beitragen. Erkenntnisse und Erfahrungen der Mitglieder werden in praktische Instrumente und Empfehlungen für europäische und nationale Entscheidungsträger übersetzt.
Warum ein Projekt zu Gegenseitigkeitsgesellschaften notwendig ist
Gegenseitigkeitsgesellschaften sind mitgliedergetragene Organisationen, die nach den Grundsätzen der Solidarität und demokratischen Beteiligung arbeiten. Je nach nationaler Tradition und Rechtsordnung finanzieren oder erbringen sie Gesundheitsversorgung, ergänzende soziale Sicherung, Versicherungen, Langzeitpflege und weitere Dienste. Überschüsse werden in die Organisation und ihren sozialen Zweck reinvestiert, statt an externe Anteilseigner ausgeschüttet zu werden. Dies ermöglicht eine langfristige Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Mitglieder und Gemeinschaften.
Trotz dieses Beitrags ist das Gegenseitigkeitsmodell in politischen Debatten nicht immer sichtbar oder ausreichend verstanden. Nationale Rechtstraditionen unterscheiden sich erheblich, statistische Kategorien erfassen die Organisationen nicht durchgehend, und für klassische Handelsunternehmen entwickelte Vorschriften können ihre Governance und soziale Zielsetzung übersehen. Dadurch wird es schwieriger, Erfahrungen zu vergleichen, Wirkung zu messen und verhältnismäßige Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung des Modells zu schaffen.
Eine Partnerschaft mit mutualistischer Erfahrung
AIM koordiniert ECOD-MUT gemeinsam mit Solidaris, Groupe VYV und Mutualité Française. Das Konsortium verbindet europäische Interessenvertretung mit der praktischen Erfahrung großer mutualistischer Organisationen. Forschung und Rechtsanalyse können so mit der Realität von Einrichtungen verknüpft werden, die ihre Mitglieder in unterschiedlichen nationalen Systemen betreuen.
Das Projekt wird auch einen Raum für breitere Beteiligung schaffen. Gegenseitigkeitsgesellschaften, Forschung, Behörden, Netzwerke der Sozialwirtschaft und weitere Interessenträger sollen Daten und Beispiele einbringen. Das Lernen voneinander steht im Mittelpunkt. Statt anzunehmen, ein nationales Modell könne einfach übertragen werden, identifiziert ECOD-MUT Grundsätze, förderliche Bedingungen und praktische Ansätze, die sich an unterschiedliche Kontexte anpassen lassen.
Von der Bestandsaufnahme zu praktischen Empfehlungen
ECOD-MUT wird die Bestandsaufnahme der Gegenseitigkeitsgesellschaften in Europa und ausgewählten OECD-Ländern aktualisieren. Untersucht werden Tätigkeitsfelder, angebotene Leistungen und Unterschiede bei Governance, Finanzierung und Mitgliedschaft. Eine klarere Wissensgrundlage hilft politischen Entscheidungsträgern, Gegenseitigkeitsgesellschaften von investorengeführten Unternehmen zu unterscheiden und ihren Beitrag zu sozialer Sicherung sowie widerstandsfähigen lokalen Diensten zu verstehen.
Das Projekt analysiert rechtliche, steuerliche und regulatorische Bedingungen, die die Entwicklung unterstützen oder hemmen. Dazu können die Anerkennung im nationalen Recht, Kapital- und Solvabilitätsanforderungen, Besteuerung, Zugang zu öffentlichen Programmen, grenzüberschreitende Tätigkeiten und die Anwendung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes gehören. Es geht nicht um Ausnahmen von notwendigen Schutzvorschriften, sondern darum, die Besonderheiten des Modells angemessen zu berücksichtigen und unbeabsichtigte Nachteile zu vermeiden.
Zu den erwarteten Ergebnissen gehören praktische Instrumente, politische Empfehlungen und eine dauerhafte Beobachtungsstelle zu Gegenseitigkeitsgesellschaften und kollektivem Eigentum. Sie führt Daten, Länderbeispiele und Rechtsanalysen zusammen und kann damit über die 36-monatige Projektlaufzeit hinaus als Referenz dienen.
Europas soziale und wirtschaftliche Prioritäten unterstützen
ECOD-MUT startet in einer Zeit, in der Europa stärkeren sozialen Zusammenhalt, widerstandsfähige Gesundheitssysteme sowie faire grüne und digitale Übergänge anstrebt. Gegenseitigkeitsorganisationen können dazu beitragen, indem sie Risiken gemeinschaftlich tragen, Ressourcen reinvestieren, lokale Dienste erhalten und Mitglieder an Entscheidungen beteiligen. Ihre Erfahrung ist relevant für Fragen der Bezahlbarkeit, Prävention, des gesunden Alterns, sozialer Infrastruktur und des Schutzes vor neuen Risiken.
Mehr Anerkennung kann auch Innovation fördern. Digitale Instrumente, neue Versorgungsformen und veränderte soziale Bedürfnisse erfordern Investitionen und Anpassung. Innovation sollte jedoch inklusiv und am sozialen Zweck ausgerichtet bleiben. ECOD-MUT untersucht, wie kollektives Eigentum Innovation ermöglichen kann, ohne demokratische Verantwortung zu verlieren oder Menschen auszuschließen, deren Bedürfnisse weniger rentabel zu bedienen sind.
Die Ergebnisse werden in Formaten vermittelt, die über die Forschung hinaus nutzbar sind. Vergleichende Informationen, Beispiele der Mitglieder und praktische Empfehlungen können Gegenseitigkeitsgesellschaften helfen, ihr Modell zu erklären, Behörden bei der Bewertung regulatorischer Folgen unterstützen und der Sozialwirtschaft eine bessere Grundlage für gemeinsame Interessenvertretung geben. Diese Nutzbarkeit ist entscheidend, wenn das Projekt nicht nur Strukturen beschreiben, sondern Veränderungen bewirken soll.
Regelmäßige Konsultationen und Veranstaltungen sollen sicherstellen, dass die Ergebnisse unterschiedliche Größen, Tätigkeitsfelder und nationale Rahmenbedingungen abbilden. Dadurch kann ECOD-MUT sowohl gemeinsame Herausforderungen sichtbar machen als auch Unterschiede respektieren. Eine breite Beteiligung erhöht außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass Empfehlungen nach Projektende von Organisationen und Entscheidungsträgern tatsächlich aufgegriffen werden.
Nächster Schritt: europäische Auftaktveranstaltung
Partner und Interessenträger kommen am 8. September 2026 in Brüssel zur Auftaktveranstaltung zusammen. Das Treffen stellt die Ziele von ECOD-MUT vor, eröffnet die Diskussion über Herausforderungen des Gegenseitigkeitssektors und baut die Gemeinschaft auf, die das Projekt in den kommenden drei Jahren begleiten wird. Informationen zur Anmeldung werden über AIM und die Partner verbreitet.
Mit ECOD-MUT wollen AIM und seine Partner den Beitrag von Gegenseitigkeitsgesellschaften sichtbarer, messbarer und politisch nutzbar machen. Eine solidere Evidenzbasis hilft, ihren Mehrwert zu erkennen und öffentliche Rahmenbedingungen gezielt weiterzuentwickeln. Das Projekt soll dazu beitragen, dass kollektives Eigentum ein lebendiger und innovativer Bestandteil des europäischen Sozialmodells bleibt.