PRESSEMITTEILUNG: MIT FAIREREN ARZNEIMITTELPREISEN KÖNNTE MAN IN DER EUROPÄISCHEN UNION 27 MILLIARDEN EURO PRO JAHR EINSPAREN
Europa könnte jährlich bis zu 27 Milliarden Euro bei neuen Arzneimitteln einsparen, wenn die Preise besser an die tatsächlichen Kosten und den therapeutischen Wert angepasst würden. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die auf dem Fair-Pricing-Modell von AIM basiert. Die in der Fachzeitschrift PharmacoEconomics veröffentlichte, von Fachkollegen begutachtete Studie ergab, dass die Anwendung fairer Preise auf die zehn untersuchten Arzneimittel die Ausgaben für Medikamente in den teilnehmenden Ländern um 73 % gesenkt hätte. Bei einem Arzneimittel lag der faire Preis sogar um 97 % unter dem Listenpreis.
Was haben wir untersucht?
Die Analyse untersuchte zehn marktgeschützte Medikamente in Belgien, Estland, Deutschland, den Niederlanden, Slowenien und der Schweiz, darunter für Behandlungen in den Bereichen Onkologie, seltene Krankheiten und chronische Erkrankungen. Die Ergebnisse zeigen für die untersuchten Medikamente ein klares Muster: Die von den Gesundheitssystemen gezahlten Preise stehen in keinem Zusammenhang mit den tatsächlichen Kosten für die Markteinführung eines Medikaments und dem therapeutischen Nutzen für die Patienten.
Solidarische Gesundheitssysteme in Gefahr
Überhöhte Arzneimittelpreise setzen solidarische Gesundheitssysteme unter starken finanziellen Druck, schwächen die Verhandlungsmacht der öffentlichen Hand und bergen die Gefahr, den Zugang zu Behandlungen einzuschränken. Wenn Gesundheitssysteme zu viel für Arzneimittel bezahlen, bleiben weniger Ressourcen für Patienten, Prävention, Pflegepersonal und langfristige Nachhaltigkeit übrig. Die Anwendung fairer Preise auf die zehn ausgewählten Arzneimittel führte in den teilnehmenden Ländern zu einer gewichteten durchschnittlichen Senkung der Bruttoausgaben um 77% und der Nettoausgaben um 73 %.
Die Preisunterschiede sind besonders bei Krebsmedikamenten deutlich
Im Bereich der Krebsmedikamente wurden sehr große Preisunterschiede festgestellt, was eine große finanzielle Herausforderung für die Gesundheitsbudgets in ganz Europa darstellt: Krebsbehandlungen, die für die Behandlung eines einzelnen Patienten Zehntausende Euro kosten, könnten um 87 % günstiger sein.
Wie können wir faire Preise für alle Beteiligten erreichen?
Der Fair-Pricing-Rechner von AIM ist ein transparentes Instrument, das darauf ausgelegt ist, einen Preis zu berechnen, der für Gesundheitssysteme und Patienten erschwinglich ist und gleichzeitig den Pharmaunternehmen ausreichende Anreize bietet, um in Innovation und Produktion zu investieren. Das Modell berücksichtigt Forschungs- und Entwicklungskosten, Produktionskosten, Vertriebs- und medizinische Informationskosten, einen angemessenen Gewinn sowie, sofern gerechtfertigt, einen Innovationsbonus, der an den therapeutischen Mehrwert gekoppelt ist. Die Basisanalyse ging von einem Pauschalbetrag für Forschung und Entwicklung in Höhe von 800 Millionen Euro pro Medikament aus.
Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Pharmabranche
AIM ist der Ansicht, dass die aktuelle Situation nicht als „Business as usual“ behandelt werden kann. Wenn Arzneimittelpreise auf einem Niveau festgelegt werden, das sich weder durch die zugrunde liegenden Kosten noch durch den Wert für die öffentliche Gesundheit rechtfertigen lässt, müssen Regierungen und Kostenträger bereit sein, diese Preise entschlossener in Frage zu stellen.
Loek Caubo, unser Präsident, erklärt:
„AIM hat seine Arbeiten zum Fair-Pricing-Modell erstmals 2019 veröffentlicht. Im Jahr 2021 haben wir einen Fair-Pricing-Rechner veröffentlicht. Wir sind überzeugt, dass ein Paradigmenwechsel bei der Betrachtung der Berechnung von Arzneimittelpreisen erforderlich ist.“
Eine stärkere Verhandlungsmacht ist unerlässlich
AIM fordert eine stärkere öffentliche Verhandlungsfähigkeit und Preisansätze, die sowohl den therapeutischen Wert als auch die tatsächlichen Investitionskosten besser widerspiegeln. Die Studie zeigt, dass das Fair-Pricing-Modell die Verhandlungsposition der Käufer stärken und Diskussionen über Preisgestaltung und Erstattung unterstützen kann. Das Modell wird bereits in der Praxis von niederländischen Krankenkassen bei der Verhandlung von Arzneimittelpreisen mit Pharmaunternehmen eingesetzt.
PRESSEKONTAKT:
Sibylle Reichert
Geschäftsführerin von AIM
aim.secretariat@aim-mutual.org